16.04.2017 Sicherheitsdienst boomt

Sicherheitsbranche boomt – Mitarbeiter dringend gesucht

Die deutsche Sicherheitsbranche sucht Tausende Wachleute, doch der Bedarf lässt sich kaum decken. Bei der Ausbildung fordern Experten mehr Qualifikation.

Wachleute dringend gesucht: Die Sicherheitsbranche in Deutschland boomt – nicht erst seit den Gewalttaten der vergangenen Wochen und Monate. „Wir haben bundesweit 13.000 offene Stellen“, berichtet die Sprecherin des Bundesverbands der Sicherheitswirtschaft (BDSW), Silke Wollmann. Allein in der vergangenen Jahr war die Beschäftigtenzahl der Branche um 15 Prozent auf 247.000 Mitarbeiter angewachsen.

Für das laufende Jahr hatte der Branchenverband ursprünglich mit einem weiteren Plus um etwa 6 bis 7 Prozent gerechnet. „Es kann sein, dass das nun massiv in die Höhe geht“, beschreibt Wollmann die Lage. Auch bei der bevorstehenden Essener Sicherheitsmesse Security (27.-30.9.) will die Branche verstärkt um Nachwuchs werben.

Doch in der Boombranche herrscht nach Einschätzung der Gewerkschaft Verdi ein Preiskampf, der auch die Löhne unter Druck setzt. So werde etwa bei der Bewachung von Flüchtlingsunterkünften nach Informationen der Gewerkschaft statt des Tariflohns vielfach nur der gesetzliche Mindestlohn gezahlt, berichtet der zuständige Gewerkschaftssekretär Volker Nüsse. Während in der Branche meist einfachste Bewachungstätigkeiten ausgeschrieben seien, müssten die Beschäftigten dann häufig zusätzlich Aufgaben etwa von Psychologen oder Sozialarbeitern übernehmen.

Auch bei der Gewerkschaft der Polizei (GdP) sieht man die Entwicklung nicht unkritisch. „Wenn ein hoher Bedarf da ist, ist die Gefahr groß, dass Billigangebote den Zuschlag bekommen“, sagt der NRW-Landesvorsitzende Arnold Plickert. In einigen Fällen seien Leute nach Vorlage des Führungszeugnisses binnen 48 Stunden eingesetzt worden. Bisweilen habe die Polizei in der Vergangenheit zudem festgestellt, dass etwa an den Kontrollpunkten bei Großveranstaltungen auch „schwarze Schafe“ zu finden seien.

Auch beim Verband BDSW wünscht man sich eine bessere Ausbildung des Personals. Ein Problem für viele Auftraggeber seien jedoch die deutlich höheren Kosten für das qualifizierte Personal. Wer eine dreijährige Ausbildung zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit absolviert habe, sei mit einem Stundenlohn von 15,43 € für den Auftraggeber deutlich teurer als ein Wachmann, der lediglich an einer Unterweisung durch die Industrie- und Handelskammer teilgenommen habe. Letztendlich sei jedoch meist der niedrigste Preis ausschlaggebend, hieß es.

Deutlich verstärkt habe sich etwa die Nachfrage nach allem, was mit der Sicherheit bei Großveranstaltungen in Zusammenhang stehe, berichtet Verbandssprecherin Wollmann. Auch nach dem Attentat auf ein Münchener Einkaufszentrum hatte etwa ein Betreiber angekündigt, an einzelnen Standorten das Sicherheitspersonal deutlich aufstocken zu wollen.

Bereits in den vergangenen Jahren waren die Beschäftigtenzahlen in der deutschen Sicherheitsbranche kräftig angewachsen. Zwischen den Jahren 2012 und 2015 wurden mehr als 60.000 neue Jobs geschaffen. Bundesweite Hochburg der Sicherheitsbranche ist dabei Nordrhein-Westfalen mit 50.937 Beschäftigten im vergangenen Jahr, gefolgt von Bayern (34.138), Hessen (26.766), Baden-Württemberg (25.835) und Berlin (18.754).

Auch die Umsätze im Geschäft mit der Sicherheit sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Allein im vorigen Jahr konnten die Unternehmen der Branche ein Umsatzplus um 900 Mio. € auf 6,91 Mrd. € verbuchen. Einschließlich des Geschäfts mit Sicherheitstechnik wird der Gesamtumsatz der Branche für 2015 auf rund 14,5 Mrd. € geschätzt.

Zu den Schwergewichten der Branche zählen das zu einem schwedischen Mutterkonzern gehörende Unternehmen Securitas und die Essener Familienfirma Kötter. Während Securitas 2015 als Branchenprimus mit 19.500 Beschäftigten einen Umsatz von 720 Mio. € erwirtschaftete, lag der Umsatz von Kötter mit 18.100 Beschäftigten bei rund 502 Mio. € . Bundesweit gibt es 4000 bis 5000 Sicherheitsunternehmen.

Quelle:NWZ Südwest Presse

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